Haare waschen mit Seife, statt Shampoo – geht das überhaupt? Die kurze Antwort: Kommt darauf an. Zunächst: Wo liegt der Unterschied zwischen Shampoo und Seife und was bedeutet das?

Ein Shampoo enthält regelmäßig größtenteils Wasser. Desweiteren beinhaltet es Reinigungssubstanzen, d.h. Tenside und Stabilisatoren. Tenside sind waschaktive Substanzen (WAS), welche aufgrund ihrer Molekülstruktur Schmutz lösende Eigenschaften haben und die Haare dadurch reinigen. Sie bewirken ebenfalls, dass ein Shampoo seine Konsistenz behält. Die weiteren Inhaltsstoffe von Shampoos, z.B. Schaumbildner, Stabilisatoren, Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe erleichtern deren Anwendung und verbessern die Haltbarkeit. Zur Herstellung werden alle Inhaltsstoffe warm oder  kalt, d.h. bei Zimmertemperatur  mit einander vermengt. Die Einstellung von pH-Wert und Flüssigkeit erfolgt im Anschluss. Danach wird das Shampoo abgefüllt.

Bei der Herstellung einer Seife werden Fette mit einer Lauge, z.B. Natronlauge oder Kalilauge, vermengt. Dieses Vorgehen heißt Seifensieden, der Prozess der Vermengung von Fetten und Laugen heißt Verseifung. Die Fette werden während dieses Prozesses in Glycerin und in die Alkalisalze der Fettsäuren (die eigentlichen Seifen) aufgespalten. Die Konsistenz der Seife hängt dabei im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: der Verwendung von Natron- oder Kalilauge und der Kettenlänge der Fettsäuren. Die Verwendung von Natronlauge führt zu festen Seifen und die Verwendung von Kalilauge zu weichen, schmierigen Seifen. Langkettige Fettsäuren ergeben ebenfalls eine festere Konsistenz der Seifen. Während der Herstellung entstehen anionische Tenside.

Während bei der Seifenherstellung Tenside erst entstehen, werden sie bereits als Grundstoff bei der Herstellung von Shampoo direkt hinzugefügt. Soviel zur Theorie. Kann man nun Haare mit Seife waschen? Ja, es ist möglich, aber das Ergebnis hängt von vielen Einflussfaktoren ab. Um nur die wichtigsten zu nennen:

  • Beschaffenheit von Haaren und Kopfhaut, Haarstruktur
  • die verwendete Seife
  • die Wasserhärte
  • saure Spülung zum Abschluss

Nicht jedes Haar kommt mit der Verwendung von Haarseife zurecht und nicht jede Seife passt zu jedem Haartyp. Am besten funktioniert wahrscheinlich ausprobieren, ob und mit welcher Seife man als Haarwaschmittel zurechtkommt. Grundsätzlich sollte jedoch zum Beispiel bei fettigem Haar eher eine Seife mit geringerer Überfettung gewählt werden und man sollte sich einen gewissen Zeitraum zur Umgewöhnung geben. Ein weiterer Faktor ist die Beschaffenheit des Leitungswassers, welches zum Waschen und Klarspülen der Haare verwendet wird. Das Wasser ist je nach Region unterschiedlich und enthält unterschiedlich hohe Konzentrationen an Calcium- und Magnesiumionen. Sie machen dieses Wasser „hart“ und reagieren mit den polaren Enden der Seife. Dies kann dazuführen, dass Haare stumpf und glanzlos nach der Haarwäsche wirken.

Dies ist einer der Gründe, warum sich eine saure Spülung zum Abschluss der Haarwäsche mit Seife empfiehlt. Sie macht das Haar glänzender, geschmeidiger und kämmbarer und bewirkt, dass sich die durch die Wäsche mit basischer Seife aufgeweichte Schuppenstruktur der Haare wieder schließt. Die Haare werden schön glänzend. Für eine saure Spülung mischt man einen Esslöffel Essig oder Zitronensäure mit einem Liter Wasser und spült die Haare nach, nachdem man Schaum und Seifenrückstände vollständig ausgespült hat.

Wer sich also für Haarewaschen mit Seife entscheidet und gut damit zurechtkommt, kann gleich mehrere Vorteile nutzen: Weniger Plastikmüll im Bad, weniger Utensilien, mehr Aufgeräumtheit im Bad und natürlich weniger Brassel auf Reisen, da man keine Flüssigkeiten im (Hand-)Gepäck transportieren muss.